SCHÜSSCHEN

Ich flieg dann mal nach Salamanca.

DIE PURE SELBSTVERARSCHUNG

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Schonmal etwas von der „selbsterfüllenden Prophezeiung“ gehört? Nö? Dabei handelt es sich um eine Vorhersage, die sich einzig aufgrund ihrer Existenz erfüllt. Was bedeutet das? Wenn wir zum Beispiel jemandem sagen, er könne super gut kochen, dann wird sich derjenige aufgrund dieses Lobes so anstrengend, dass er irgendwann wirklich gut kochen kann. Das Praktische an dieser selbsterfüllenden Prophezeiung ist nun, dass man damit nicht nur andere Menschen positiv (natürlich auch negativ, aber das will man ja nicht) beeinflussen kann, sondern sie auch prima für sich selbst nutzen kann. Man kann quasi sein eigenes Gehirn überlisten. Und ich kann aus eigenen Tests bestätigen, dass das funktioniert. Wenn man sich also z.B. bevor man zur Arbeit geht sagt, dass heute ein ganz toller Tag wird und alles so toll und blumig aussieht und alle Menschen nett zu einem sein werden, dann wird der Tag tatsächlich ein bisschen schöner. Positives denken ist also kein Blabla und Irrglaube. Unser Gehirn lässt sich wirklich einfacher veräppeln, als wir denken.

Als ich von dieser Prophezeiung gelesen habe, ergab sie für mich auch deshalb Sinn, weil ich mal in Medieninformatik gelernt habe, wie neuronale Netze im Gehirn funktionieren – dass wir uns immer in solchen Assoziationsblasen „umherdenken“. So ist beispielsweise bei mir der Begriff Hund nicht nur mit den klassischen Assoziationen wie Bellen, Hundeleine oder Spazierengehen verbunden, sondern auch mit Liebe, Kindheit und natürlich mit unseren eigenen, tollen Hunden, die mich mein Leben lang begleitet haben. Ich verbinde also nur positive Eigenschaften mit dem Begriff Hund. Und weil ich irgendwie immer der Hundemensch war, durfte ich ja Katzen nicht so richtig mögen und habe mir wohl unbewusst eine Assoziationsblase mit negativen Eigenschaften von Katzen aufgebaut. Katzen finde ich arrogant, unfreundlich und egoistisch. Ich glaube nun tatsächlich, dass ich darauf Einfluss nehmen kann. Wenn ich also jedes Mal, wenn ich eine Katze sehe, denke, dass sie so süß aussieht und so schön und so total liebevoll ist, dann würde ich wahrscheinlich irgendwann sogar Katzen mögen.

Also ich hab gar kein Problem damit, mich selbst zu verarschen, denn es bringt ja nur Gutes. Und apropos: das weiß man zwar in der Regel schon, aber auch Lachen steigert nachweislich die Laune. Auch wenn man es einfach so erzwingt und eine bescheuerte Grimasse zieht. Das Gehirn nimmt das als positive Botschaft wahr und sendet Glücksgefühle aus.

Die Floskeln „Denk doch mal positiv“ oder „Lach doch mal“ ergeben also plötzlich doch irgendwie Sinn und hören sich gar nicht mehr so bescheuert an.

SYMPHONIE Op. 110

Diesen Text habe ich 2002 im Deutschunterricht zum Thema Sprachmusterverschiebung verfasst:

Ich fuhr ganz Andante cantabile über die Landstraße, als mich eine erste Geige überholte und von nun an die Melodie spielte. Ich ärgerte mich über ihre Art zu spielen. Wenn sie anfuhr, machte sie ein aufdringliches Crescendo und kehrte nie a tempo zurück, sondern wechselte sempre zwischen einer Art poco ritardando und stringendo al fine. Ich musste allerdings Tempo 1 einhalten und sie deshalb weiterhin im Basso continuo begleiten. Doch änderten sich die Vorzeichen, ohne dass es die Violine vor mir bemerkte, und ein anderes Instrument raste mit einem Tempo von 184 Schlägen die Minute mit 64teln um die Ecke. Wie eine krächzende Viola stoßen die beiden mit einer fiesen Intonation und einem forte-piano, das fast schon ein Forzato war, zusammen und der Klang des Crashes machte ein sanftes diminuendo. Das Instrument der Solostimme, das mich überholt hatte, quietschte jetzt in einem hohen Flageoletton – ich denke es war ein hohes ais. Con passione stieg ich aus, wies die beiden Autofahrer dolce auf die Regeln hin, die auf dieser Straße galten und mit einem Duett alla espressione trillerten die beiden in meine beiden Ohren bis ich mir das Rondo ihrer Schimpfwörter nicht mehr anhören wollte. Weil es meinen Musikerohren schaden könnte, schwang ich mit einer schönen Bindung in meinen Sitz und ratterte leicht wie ein Springbogen an den beiden melodischen Instrumentträgern vorbei…Schlussakkord!