SYMPHONIE Op. 110

Diesen Text habe ich 2002 im Deutschunterricht zum Thema Sprachmusterverschiebung verfasst:

Ich fuhr ganz Andante cantabile über die Landstraße, als mich eine erste Geige überholte und von nun an die Melodie spielte. Ich ärgerte mich über ihre Art zu spielen. Wenn sie anfuhr, machte sie ein aufdringliches Crescendo und kehrte nie a tempo zurück, sondern wechselte sempre zwischen einer Art poco ritardando und stringendo al fine. Ich musste allerdings Tempo 1 einhalten und sie deshalb weiterhin im Basso continuo begleiten. Doch änderten sich die Vorzeichen, ohne dass es die Violine vor mir bemerkte, und ein anderes Instrument raste mit einem Tempo von 184 Schlägen die Minute mit 64teln um die Ecke. Wie eine krächzende Viola stoßen die beiden mit einer fiesen Intonation und einem forte-piano, das fast schon ein Forzato war, zusammen und der Klang des Crashes machte ein sanftes diminuendo. Das Instrument der Solostimme, das mich überholt hatte, quietschte jetzt in einem hohen Flageoletton – ich denke es war ein hohes ais. Con passione stieg ich aus, wies die beiden Autofahrer dolce auf die Regeln hin, die auf dieser Straße galten und mit einem Duett alla espressione trillerten die beiden in meine beiden Ohren bis ich mir das Rondo ihrer Schimpfwörter nicht mehr anhören wollte. Weil es meinen Musikerohren schaden könnte, schwang ich mit einer schönen Bindung in meinen Sitz und ratterte leicht wie ein Springbogen an den beiden melodischen Instrumentträgern vorbei…Schlussakkord!

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