EIN GANZ NORMALER CHECK-IN.


Zunächst sollte man kurz einwerfen, dass ich mit Czech Airlines fliege. D.h. Ich fliege kreuz und quer durch die Welt (naja, über Prag), um von Stuttgart nach Madrid zu gelangen.

Bekomme schon nen Anfall, weil die S-Bahn wieder zu spät kommt und ich doch etwas später dran bin als geplant. Völlig gehetzt und verschwitzt (23 Kilo Koffer plus Handgepäck sind immerhin fast ein Size-Zero-Model, das ich mit mir rumschleppe) komme ich in den Flughafen, suche panisch den Schalter, entdecke ihn und gucke noch dreimal auf die Anzeigetafel und zum Schalter zurück. Ich hatte die gewöhnliche Monsterschlange erwartet. Nee nee. Da steht genau EINE Frau. Und die schnackt sehr angeregt mit der Flughafenangestellten. „Ja, also, Sie haben ein Kilo zu viel. Das kostet 100 Euro. Sie können aber auch noch etwas in Ihr Handgepäck tun.“ – „Ah, ja, ja, ok, ja, mach ich!“ – „Sehr gut. Dann kann ich ja schonmal die Dame hinter Ihnen einchecken lassen. Sie müssten dann nur etwas Platz machen.“ Die Frau stellt auf taub und zieht am Schalter riesige Handtücher aus ihrem Koffer und rollt sie auf der Gepäckwaage zusammen. Irgendwann ist sie fertig. Die Flugzeugangestellte, nennen wir sie Erna, denn sie sieht aus wie eine Erna, verabschiedet sich bei der Frau mit einem „Bis gleich“, was mich schon leicht verwirrt. Bevor ich irgendetwas zu Erna sagen kann, ruft sie: „Jaaa, SIE müssen Frau Langer sein.“ Erneute Verwirrung. „Wieso wissen Sie das? Fliegen nur wir Zwei, oder wie?“ Die Flugzeugangestellte murmelt etwas von wenig Passagieren. Na gut. Panik, dass mein Koffer auch zu schwer ist, aber die 0,3 Kilo Übergewicht lässt Erna nochmal durchgehen („Ach was, ach was!“). Nächstes Problem: „Also ich kann sie leider nicht direkt für Madrid einchecken. Irgendwie geht das hier mit dem System nicht. Da müssen Sie in Prag nochmal neu einchecken. Das mit dem Gepäck sollte eigentlich klappen.“ „Eigentlich“ ist in dem Zusammenhang „eigentlich“ kein so schönes Wort. „Wo wollen Sie denn sitzen? Fenster oder Gang?“ – „Am Fenster, bitte!“ – „In Ordnung.“ Tipp, tipp, klick. „So, hier ist Ihre Boardingkarte. Sie müssen – lassen Sie mal sehen – zum Gate 141. Oh!“ – „Was?“ – „Sie wollten am Fenster sitzen, oder? Jetzt hab ich Ihnen einen Gangplatz gegeben. So ein Mist! Da fragen Sie dann am besten die Stewardess. Sollte ja noch Platz sein.“ ( Im Nachhinein ist diese Aussage ziemlich witzig) „Wir sehen uns dann gleich am Gaaaaate. Ich mach hier heute alles alleine.“ (…und alles zum ersten Mal.)

Am Gate ist niemand. Ich überprüfe erneut, ob ich richtig bin. Nur eine etwas schrullige Frau läuft in Wolljacke und Holzkette von rechts nach links. Irgendwann setzen sich noch 1-2 weitere Leute hin. Da ist Erna! „Haaallooo!“ Erna macht einen leicht aufgeregten Eindruck und redet stetig vor sich hin: „Ja, da steht ja noch gar nix dran am Display. Mh mh. Nummer, Nummer. Ahja, Nummer 236. Oh, da ruft jemand an. Gut, gut.“ Irgendwann fuchtelt Erna mit leuchtend orangen Zettelchen umher und befestigt sie an unserem Handgepäck. „Das müssen Sie da dran machen. Die Machine ist so klein, da weiß ich nicht, ob das nochmal abgegeben werden muss. Aber das bekommen Sie dann wieder. Ja, ja. Oh! Was ist denn mit diesem Koffer?“ – „Der ist von der Frau, die vor mir eingecheckt hat.“ – „Das kann sie aber nicht hier so stehen lassen. Wo ist die Dame denn?“ Ich zeige rüber, zu der Frau, die hinten irgendwo einen Kaffee trinkt und sorglos zu uns rüber winkt. Eine Frau mit großem Vertrauen in die Menschheit.

Dann kommt Ernas großer Auftritt. Eine Ansage durchs Mikro! „Flug äh 3412 nach Prag ist nun QIETSCH zum Einsteigen bereit.“ Die besondere Würze bekommt die Ansage noch durch Ernas doch recht holpriges Englisch.

Mit dem Bus geht es zum Flugzeug. Willkommen im Playmobil-Land. Weiß nicht, wann ich das letzte Mal mit so einem kleinen Dingelchen geflogen bin. Ich und sieben (ja sieben) weitere Leute setzen sich in das Flugzeug. Alle nehmen gemütlich Platz, wobei die eine Stewardess noch ruhig zuschaut. Es sitzen alle, da kommt sie zu uns und fragt uns: „Könnten Sie sich etwas weiter nach hinten setzen?“ Das fragt sie jeden einzelnen, bis das Flugzeug nur noch im hinteren Teil besetzt ist. Sollte man das beunruhigend finden? Nö, ich hab nur noch gekichert.

Jetzt bin ich in Prag. Mal sehen, wie es so weitergeht, nech?

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