ES INTERESANTE.

20120503-232033.jpg

20120503-231940.jpg

20120503-231906.jpg

20120503-231828.jpg

Madrid: Rein in die Stadt, da bläst einem schon der typische Duft in die Nase: ein Gemisch aus Abgasen und Müll. Ab und zu strömt einem schwerer Parfümduft von spanischen Frauen in die Nase. Generell sehr stylische Leute unterwegs, bin gefühlt die einzige Blondine.

Hostel in Madrid: Für die Lebenserfahrung bin ich in einem Zehnerzimmer im Hostel. Lass ich demnächst! Bis tief in die Nacht ist noch Festtagsbeleuchtung im Zimmer, morgens um sieben fangen drei Französinnen an zu streiten bis eine weint (BIS EINER WEINT!) und eine halbe Stunde laut vor sich hin schluchzt. Während ich dusche und mich fertig mache, huscht die ganze Zeit eine fluchende Putzfrau um mich herum. Privatsphäre? No no. Es gibt Churros und Cacao zum Frühstück, dazu den widerlichsten Kaffee meines Lebens. Ich hoffe, es war Kaffee. Stand zumindest auf der Dose…

Busfahrt: Steh ja total auf Gazpacho. War nur dumm diese und nen halben Liter Wasser am Anfang der Busfahrt zu trinken, den ich übrigens um ein Haar bekommen habe. Irgendwie hab ich das mit dem spanischen Zuspätkommen etwas früh internalisiert. Auf der Busreise, die dreieinhalb Stunden dauert, gibt es keine einzige Gelegenheit, die Toilette zu besuchen. Resümee: Spanier sind zwar klein, haben aber offensichtlich riesige Blasen. Meine Sitznachbarin isst (lustig, hatte erst „ist“ geschrieben) ein Croissant, krümelt sich damit den ganzen Schoß voll und wischt es nicht weg. Kann mich ja wahnsinnig machen sowas.

Ankunft Salamanca: Rafael ist mein Irgendwas. Der hat irgendwie tausend Jobs und auch bei diesem für meine Organisation kapier ich nicht, was er eigentlich tut. Ich versteh ihn dann leider auch am Telefon nicht. Wir brauchen etwa zehn Minuten Telefonat – von Spanien nach Deutschland über Spanien ist das durchaus günstig – bis mir klar wird, dass ER mich NICHT abholt (was er hätte tun müssen), sondern dass ich mich in ein Taxi setzen soll und er per Handy mit dem Taxifahrer sprechen möchte. Ich reiche also wie der letzte Depp das Telefon an irgendeinen Taxifahrer weiter. Das ist allerdings auch gut. Es stellt sich nämlich raus, dass dieser kein einziges Wort Englisch spricht (wie irgendwie alle Einwohner Salamancas, was ja prinzipiell für die kommenden Spanischskills nicht schlecht ist). Er sieht es dann als seine Aufgabe an, mir innerhalb der 5-minütigen Taxifahrt Spanisch beizubringen. Welch Glück, dass ich dieses Taxi gewählt habe. Wie würde ich sonst in Spanien zurecht kommen. Er verbessert nach jedem Wort, das ich aus mir rausquetsche, meine Aussprache (ßßßßincoooooo, Señora!!!!), weswegen ich irgendwann beleidigt auf stumm schalte und nur noch „Es interesante!“ und „Me gusta cerveza“ sage. Aber ohne ß. Ha!
Fahren dann kurz bei Rafaels Internetcafe/-bar vorbei, das/die sich gewitzt „Second home“ nennt, wo mir Rafael dann Flyer von Parties, oha!, und drei Schlüssel in die Hand drückt. Während ich aufs Taximeter starre, kommt bei mir von Rafael nur „The bigger one for the house… 24 hours market is here… can’t come with you… Piiieeeep…“ und „Ok? Call me, if you have any questions?“ an. „Äh hä?“ und schon ist die Tür vom Taxi wieder zugeschlagen, die Fahrt geht weiter. Der Taxifahrer lässt mich an einer großen Straße raus und gestikuliert wild auf Spanisch und wiederholt mehrfach: „Diez, diez, diez!“ (ich denke nur, wie schön er das „s“ „ß“ ausspricht) während er überdeutlich auf eine Straße gegenüber zeigt. Sherlock wie ich bin, nehme ich an, dass ich in dieser Straße in der Nummer Zehn wohne. Und dieser Abschnitt hat keine Pointe. Da bin ich auch tatsächlich richtig! Babaaaam!
Werde von drei Mädels schon am Eingang empfangen, amerikanisch, englisch, niederländisch („Where are yooou from? Hihihihihi?“, „Oooh, yeah, how long will you stay? Wooohooo!“ etc.), die wohl ein Stockwerk unter mir wohnen. Wir quetschen uns in den Fahrstuhl. Ich da so mit meinem schweren Koffer bleib schön in der Tür stecken. Die Mädels drücken laut lachend irgendwelche Knöpfe. Zack! Fahrstuhl kaputt. Die Amerikanerin läuft in den dritten Stock, um irgendwen zu holen. Ich nehme an jemand Fachkundigen. Da kommt son Typ im Basketballshirt, der mich mit Küsschen empfängt und nicht aussieht wie ein Hausmeister. Nein, der wohnt in der WG zwei Stockwerke unter mir. Er sagt nur: „Did you break it?“ Nee.
Wir dann mal alle raus aus dem Aufzug. Alle Knöpfe leuchten. Meine Aufmerksamkeit gilt hingegen ganz meinem Koffer, den ich zum Verrecken keine fünf Stockwerke mehr hochschleppen will. Aber yeah, nachdem die dicken Mädchen draußen sind, geht er wieder. Müssen alle Diät machen, ganz sicher. An mir kann’s ja nicht liegen, ne? Und ich habe den Fahrstuhl nur für mich allein und meinem pinken Koffer.
Oben angekommen klopfe ich an die offene Tür, was mir schon etwas bescheuert vorkommt. Wer klopft schon an eine offene Tür? Ich rufe: ‚Hellooooo?“ und schiele um die Ecke. Schleichend dringe ich vor in das Studentenparadies. Erster Eindruck: WTF?
Links eine Tür. Ich linse rein, weil Geräusche hervordringen. Ein Mädel liegt mit zerzaustem Haar im Bett, davor steht ein Typ in Boxershorts und – wait for it – Schürze. Das ist alles, was er trägt. Ich schiebe das gekonnt auf die spanische Lebensart. Leider ist er Engländer. Die Zersauste im Bett ist Amerikanerin, weswegen ich meine Vermutung widerlegen muss, dass sie ein übergroßes Kaugummi kaut. Die zersauste Kaugummifrau ist sehr nett und führt mich durch die ganze Residenz (hier sagen sie echt alle „residencia“, dann muss ich immer laut loslachen). In der Küche sieht es aus, als habe man gefeiert. Hat man auch, sagt die Kaugmmifrau. Und normalerweise sieht das hier nicht so aus. Und normalerweise sieht SIE auch nicht so aus. Alles gelogen. Weiß ich jetzt.
Sie ist sich nicht sicher, welches Zimmer meins ist und führt mich erst in eins, in dem noch Fotos von fremden Menschen an der Wand hängen und es auch irgendwie so aussieht, als hätte es dort stark gestürmt und dabei sehr viel Schmutz hinterlassen. Als es – Schlüssel in Tür rein und nicht gepasst – offensichtlich nicht mein Zimmer ist, atme ich auf. Atem wieder weg, als ich mein Zimmer sehe. Kahl, schmutzig, kalt und keine Bettdecke. Auweia! Egaaaal, ich bin in Spaaaniiiiiien!!!
Dann geht sie mit mir in die unteren Etagen. Hier sind alle WGs „best friends“ (erwähnte ich schon, dass die zersauste Kaugummifrau Amerikanerin ist?) und wir laufen da so durch, tausend Namen, tausend Gesichter: „Hello. Claudia. Hello. Claudia. Hi. Claudia. STILL Claudia!!!“ In ein Zimmer gehen wir rein, liegen da zwei Nackedeis im Bett, die sich wahrscheinlich am Abend davor kennengelernt haben. Sie sind nicht peinlich berührt und grüßen freundlich. Mein Kopf gleicht hingegen einer Tomate und ich gehe englisches Zeug murmelnd rückwärts wieder raus. Prüde, diese Deutschen, was?

So genug for today. Über Salamanca und den Spanischkurs gibt’s dann bald mehr. Wenn hier überhaupt noch wer lesen kann. Mas o menos.

One thought on “ES INTERESANTE.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s