GEHIRN RENOVIEREN.

Es ist oft so viel gemütlicher, auf seinen bekannten Gleisen zu bleiben. Wenn man jedoch immer die selbe Strecke fährt, sieht man auch nie Neues. Und noch viel schlechter sieht man, wenn man einem großen Zug hinterher fährt und nicht mal die Aussicht nach vorne genießen kann.

Was für eine widerliche Metapher!

Dennoch habe ich jetzt – nach einer Woche neuer Arbeit und neuen Einblicken – gemerkt, wie schnell man sich bedächtig in seinen Gewohnheiten fläzt. Außerdem ist es menschlich, dass man nicht jedes Tun ständig hinterfragt. Würde uns ja auch total überfordern. Aber manchmal ist es sinnvoll, kurz zu überlegen, ob das, was man gerade tut, so wirklich Sinn macht oder ob man es nur macht, „weil man das eben so macht“. Sei es, weil man es beispielsweise an der Hochschule so gelernt hat, es in jeglicher Fachliteratur so gelesen hat, oder sei es, weil man es sein ganzes Leben bislang so getan hat.

Manchmal braucht das Gehirn ein Reset, muss in manchen Angelegenheiten mal wieder auf Null gestellt werden. Das klingt viel einfacher als es sich anhört, aber tut gut, räumt die Festplatte da oben etwas auf und macht Luft für Neues.

Nach der fiesen ersten Metapher, der zweiten abartigen Abstraktion und der dritten hässlichen Metapher kann ich leider nicht konkreter werden, weil ich sonst schon Thesen und Ideen für meine Master-Thesis öffentlich verbraten würde. Das wäre ja dumm.

Aber eins möchte ich noch schreiben: Auch wenn Neues gut ist, sollte man dem Altmeister Picasso Glauben schenken: Man muss erst richtig und naturgetreu malen können, bevor man anfängt, Neues auszuprobieren.

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DIE PURE SELBSTVERARSCHUNG

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Schonmal etwas von der „selbsterfüllenden Prophezeiung“ gehört? Nö? Dabei handelt es sich um eine Vorhersage, die sich einzig aufgrund ihrer Existenz erfüllt. Was bedeutet das? Wenn wir zum Beispiel jemandem sagen, er könne super gut kochen, dann wird sich derjenige aufgrund dieses Lobes so anstrengend, dass er irgendwann wirklich gut kochen kann. Das Praktische an dieser selbsterfüllenden Prophezeiung ist nun, dass man damit nicht nur andere Menschen positiv (natürlich auch negativ, aber das will man ja nicht) beeinflussen kann, sondern sie auch prima für sich selbst nutzen kann. Man kann quasi sein eigenes Gehirn überlisten. Und ich kann aus eigenen Tests bestätigen, dass das funktioniert. Wenn man sich also z.B. bevor man zur Arbeit geht sagt, dass heute ein ganz toller Tag wird und alles so toll und blumig aussieht und alle Menschen nett zu einem sein werden, dann wird der Tag tatsächlich ein bisschen schöner. Positives denken ist also kein Blabla und Irrglaube. Unser Gehirn lässt sich wirklich einfacher veräppeln, als wir denken.

Als ich von dieser Prophezeiung gelesen habe, ergab sie für mich auch deshalb Sinn, weil ich mal in Medieninformatik gelernt habe, wie neuronale Netze im Gehirn funktionieren – dass wir uns immer in solchen Assoziationsblasen „umherdenken“. So ist beispielsweise bei mir der Begriff Hund nicht nur mit den klassischen Assoziationen wie Bellen, Hundeleine oder Spazierengehen verbunden, sondern auch mit Liebe, Kindheit und natürlich mit unseren eigenen, tollen Hunden, die mich mein Leben lang begleitet haben. Ich verbinde also nur positive Eigenschaften mit dem Begriff Hund. Und weil ich irgendwie immer der Hundemensch war, durfte ich ja Katzen nicht so richtig mögen und habe mir wohl unbewusst eine Assoziationsblase mit negativen Eigenschaften von Katzen aufgebaut. Katzen finde ich arrogant, unfreundlich und egoistisch. Ich glaube nun tatsächlich, dass ich darauf Einfluss nehmen kann. Wenn ich also jedes Mal, wenn ich eine Katze sehe, denke, dass sie so süß aussieht und so schön und so total liebevoll ist, dann würde ich wahrscheinlich irgendwann sogar Katzen mögen.

Also ich hab gar kein Problem damit, mich selbst zu verarschen, denn es bringt ja nur Gutes. Und apropos: das weiß man zwar in der Regel schon, aber auch Lachen steigert nachweislich die Laune. Auch wenn man es einfach so erzwingt und eine bescheuerte Grimasse zieht. Das Gehirn nimmt das als positive Botschaft wahr und sendet Glücksgefühle aus.

Die Floskeln „Denk doch mal positiv“ oder „Lach doch mal“ ergeben also plötzlich doch irgendwie Sinn und hören sich gar nicht mehr so bescheuert an.